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MehrGenerationenHaus entsteht als Integrationsbetrieb
in Kooperation mit der Gesamtschule Köln-Holweide

     
   

Foto: Roderich DörnerDer Wahl-Kölner Roderich Dörner ist Diplom-Sozialpädagoge/-Sozialarbeiter und Hotel- betriebswirt. Er will in Deutz, einem multireligiösen und multikulturellen Stadtteil Kölns, ein Mehrgenerationenhaus aufbauen. Mittelpunkt dieses Mehrgenerationenhauses soll ein modernes Integrationsbistro werden, in dem Menschen mit Behinderung und Lang- zeitarbeitslose in den Arbeitsalltag integriert sein werden, um auf Augenhöhe zusam- menzuarbeiten.

     
   

Bei seiner Arbeit als Hotelbetriebswirt in Heidelberg und Bremen, in der Schweiz und in der Türkei hatte Roderich Dörner überall nach der Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und menschlichen Werten wie Akzeptanz, Toleranz und der „Würde des Menschen“ etc. in der Gastronomie/Hotellerie gesucht. Bereits in seiner Abschlussarbeit zum Hotelbetriebswirt hatte er sich mit „Emotionaler Intelligenz in der Hotellerie“ befasst. Doch die in der Theorie verankerten Leitbilder und Kommunikationskonzepte hatten nur in ganz seltenen Ausnahmefällen etwas damit zu tun, was Dörner vor Ort bei seinen Untersuchungen vorfand.

Foto: Bewohner sitzen um einen TischWie nun mithilfe des Wertemanagements als Führungsinstrument Menschen mit Behinderungen in Betriebe der Hotellerie und Gastronomie integriert werden können, das war Thema seiner Diplomarbeit. Dörner hat herausgearbeitet, dass Hotelfachkompetenzen unabdingbar sind: Fachkräfte der Sozialen Arbeit allein schaffen es nicht. Integrationsbetriebe müssen hinsichtlich Qualifikation, Ausstattung und Service marktübliche Qualität liefern. Nur dann sind sie wirtschaftlich solide.

Seit Anfang 2007 arbeitet Dörner nun im Bürgerzentrum Deutz. Dieses Bürgerzentrum versteht sich als eine Einrichtung des Gemeinwesens im Kölner Stadtteil Deutz. Es will als künftiges MehrGenerationenHaus verbindendes Glied zwischen den Generationen sein und dabei allen gesellschaftlichen Gruppierungen, unabhängig von ihrer Partei- und Konfessionszugehörigkeit, ein Forum und eine Plattform bieten. Hier sollen für die Bürger relevante Themen aktiv bearbeitet und im Stadtteil platziert werden.

Auf diese Weise soll das Bürgerzentrum Deutz in den kommenden fünf Jahre zu einer Dienstleistungsbörse für alle Generationen werden, egal ob jung oder alt, ob gesund, krank, mit oder ohne Behinderung. Damit will es einen Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität im Veedel (kölsch für Stadtviertel) leisten.

Nach dem Vorbild des Restaurants „Conviva“ in der Münchener Innenstadt sollen Menschen mit Behinderung in Küchen-, Veranstaltungs- und Servicebereichen je nach Fähigkeit und Möglichkeiten eingesetzt werden. Dadurch sollen Gelegenheiten für und durch Mitarbeiter mit Behinderung geschaffen werden, sich mit Nichtbehinderten im öffentlichen Raum zu begegnen, kennen zu lernen und dadurch Vorurteile abzubauen.

Foto: Kind beim SpielSeit Mitte Oktober 2005 bietet das Bürgerzentrum Deutz bereits einen Mittagstisch für die Deutzer Bevölkerung an. In einem angenehmen Ambiente können sie von Montag bis Freitag mittags eine kostengünstige Mahlzeit zu sich nehmen, die ein Mitarbeiter und ausgebildeter Koch für sie zubereitet. So ist dienstags meist Schnitzeltag.

Wiener-, Jäger-, Zigeuner-, Zwiebel-, oder Käseschnitzel mit Tomaten- Bohnen-Salat und Kroketten und einer Schokocreme als Dessert gibt es bereits zu einem Preis von 4,50 Euro. Diese Kantine im Eingangsbereich soll nun in ein modernes Integrationsbistro umgestaltet werden.

 

Das Ziel dieser Gastronomie ist es, ein „öffentliches Wohnzimmer“
für alle Menschen in Köln-Deutz zu sein. Um hier zu Mittag zu essen, muss man sich nicht unbedingt schick anziehen, denn hier sollen auch Menschen erreicht werden, die gewöhnlich nicht für soziale Zwecke zu gewinnen sind.

Nachdem Roderich Dörner seine Diplomprüfung bestanden hatte, nahm er im Mai 2006 Kontakt mit der Integrativen Gesamtschule Köln Holweide auf. Im Sommer 2007 hatte er bereits einen geeigneten Platz für seinen Integrationsbetrieb gefunden und es wurde vereinbart, dass die Schüler mit Behinderungen der Gesamtschule Köln Holweide hier die Möglichkeit haben würden, Praktikumsplätze und bei guter Platzierung im Betrieb eine Festanstellung zu bekommen.

Foto: Gruppe mit KleinkinderGleichzeitig trat die ehemalige Mitarbeiterin der Schule, Tanja Bauer, selbst von Behinderung betroffen, als Diplom-Sozialpädagogin in das Unternehmen ein, zunächst auf Honorarbasis, ab April des kommenden Jahres voraussichtlich in einer Festanstellung. Sie koordiniert den Einsatz und die Betreuung der Schüler der Gesamtschule Köln Holweide, die ab Herbst 2007 einsteigen werden. Dass Frau Bauer die Schüler aus der gemeinsamen Arbeit kennt, ist ein großer Vorteil, um passgenaue Arbeitsplätze für die Schüler zu finden.

Was aber genau sind Integrationsunternehmen/-betriebe?
Integrationsunternehmen/-betriebe sind Klein- und Mittelbetriebe, die über ein Vielfaches der gesetzlichen Pflichtquote hinaus Arbeitsplätze für Schwerbehinderte und auch Arbeitsplätze für weitere Zielgruppen der Arbeitsmarktpolitik sowie für Teilzeitbeschäftigte zur Verfügung stellen. Integrationsprojekte sind seit Sommer 2001 im SGB IX unter § 132 ff. definiert. Charakteristisch ist in jedem Fall ihre Zugehörigkeit zum ersten und allgemeinen Arbeitsmarkt. Sie stellen marktfähige Produkte und Dienstleistungen her. Dabei werden sie nicht subventioniert, sondern erhalten nach den Bestimmungen des SGB III und IX ausschließlich einen Nachteilsausgleich, der allen Arbeitgebern des ersten Arbeitsmarktes offen steht. Der Anteil an schwerbehinderten Menschen liegt je nach Art des Betriebes und der Branche in der Regel zwischen 25 und 70 Prozent.

Integrationsunternehmen und Firmen arbeiten markt- und qualitätsorientiert und bieten ihren Mitarbeitern Arbeitsverhältnisse unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes wie Arbeitsvertrag mit tariflicher bzw. ortsüblicher Entlohnung, Kündigungsschutz, etc. Es gibt bereits langfristige Erfahrungen. Wurden Integrationsbetriebe seit Ende der 70er Jahre zunächst ausschließlich für die Zielgruppe der Menschen mit psychiatrischen Erfahrungen geschaffen, so entstehen nun auch Betriebe für Menschen mit körperlichen, lern- und geistigen bzw. Mehrfachbehinderungen. In Deutschland gibt es ca. 10.000 Arbeitsplätze in diesen Betrieben. In Italien zum Beispiel mehr als 35.000.

Ab Herbst 2007 werden die ersten Schüler der Gesamtschule Köln-Holweide ins Praktikum des Integrationsbetriebes im Bürgerzentrum Deutz gehen. Jasmin (Name geändert) ist Schülerin der zehnten Klasse mit einer Lern– und geistigen Behinderung. Sie hat bereits ein Praktikum in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung absolviert, aber dort war es ihr zu langweilig. Ein zweites Praktikum bestand sie mit großem Erfolg auf dem ersten Arbeitsmarkt: in der Küche einer integrativen Kindertagesstätte.

Foto: Kinder sitzen im KreisIm Bürgerzentrum Deutz wird sie im Servicebereich des Integrationsbistros arbeiten. Sie startet mit einem dreiwöchigen Praktikum, mit anschließendem Langzeitpraktikum (ein Tag in der Woche) bis Weihnachten. Bei gutem Erfolg schließt sich ein dreiwöchiges Blockpraktikum im Januar an. Fernziel ist, in Kooperation mit der Arbeitagentur Köln einen betrieblichen Förderlehrgang nach der Klasse 10 zu schalten und daraus eine Festanstellung entstehen zu lassen.

Auch Ayche (Name geändert) wird in der Küche des Integrationsprojektes mit einem Praktikum und anschließendem Langzeitpraktikum starten. Sie ist eine türkische Schülerin, ebenfalls aus dem 10. Jahrgang mit Lernbehinderung. Sie hat zahlreiche Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt absolviert und zeichnet sich gerade durch gute Kenntnisse in der Küche aus, die sie nicht zuletzt im hauseigenen Kaffeeklatschprojekt der Gesamtschule Köln Holweide erworben hat. Fernziel ist es, sie auf den Ausbildungsplatz des Integrationsbistros als Beiköchin, in Kooperation mit der Arbeitsagentur Köln, ab Sommer 2008/09 zu setzen. Eventuell wird sie einen betrieblichen Förderlehrgang zwischenschalten.

Für die Schüler wird es eine Menge zu tun geben, denn seit kurzem hat das Bürgerzentrum Deutz das Schulcatering für zwei Gymnasien und einen Kindergarten übernommen. Das beinhaltet 250 bis 300 Essen täglich und weiterhin kommen Kinder und andere Nachbarn, die einfach ein geselliges Mittagessen genießen möchten, in die Deutzer Tempelstraße, gleich neben der Evangelischen und gegenüber der Katholischen Kirche, eine Ecke vor dem türkischen Gemüseladen, dort, wo im Innenhof nicht mehr geparkt werden darf, weil da jetzt die Terrasse vom Bistro ist und wo unterm Dach die Hausaufgabenbetreuung eröffnet hat, außer zur Mittagszeit, dann wird gegessen im Mehrgenerationenhaus mit Integrationsbetrieb, bei Roderich Dörner.

Auch die Elternschaft der Schüler mit Förderbedarf soll in das Projekt mit einbezogen werden. Sie sollen sich vor allem durch handwerkliche Verschönerungsarbeiten und die Suche nach Sponsoren einbringen. Aber sie sollen auch die Werbetrommel rühren, damit so viele Bürger wie möglich hier essen gehen werden. Es sind große Visionen, um Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen. Das ist nur gemeinsam und mit viel Engagement zu erreichen.
Annette Kellinghaus-Klingberg

Foto: Annette Kellinghaus-KlingbergDipl. Sozialpädagogin Annette Kellinghaus- Klingberg arbeitet an der Gesamtschule Köln-Holweide mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung für Schüler mit Behinderung.
Sie vermittelt Schüler mit jeglicher Behinderungsform in Praktika auf dem ersten, zweiten und dritten Arbeitsmarkt und begleitet und fördert den Übergang von der Schule in den Beruf/Arbeit.
Seit Jahren arbeitet sie mit der BAG UB e. V. (Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung) zusammen.

 

Neustes Projekt ist der Aufbau eines Integrationsbistros in Köln- Deutz, in dem behinderte und nichtbehinderte Menschen arbeiten. Schüler bekommen Praktikumsplätze und feste Arbeitsplätze für die Zukunft gestellt. Eine Arbeit, die sich lohnt!

Erschienen ist der Artikel im Nov. 2007 im Rehatreff Zeitschrift für Handycap

   
 
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  erstellt 15.10..2007, aktualisiert: 18.11.2007 (KRE)
     
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