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JUBILÄUM

10 Jahre Kontakt und 7 Jahre Schüleraustausch
Gymnazium Litomericka (Prag) – Gesamtschule Holweide (Köln)

     
   

Im Rahmen eines Comenius-Projektes (1998-2004) startete im April 1997 ein erstes Treffen von Delegierten aus fünf verschiedenen europäischen Ländern (GB; F; A; CZ und D) in Liverpool, um sich kennen zulernen und eine gemeinsame - Grenzen überwindende - Kooperation zu begründen. Während die Teilnehmer aus den westeuropäischen Ländern mit Geldern aus der EU mal eben über den Kanal flogen, war Oldrich aus Prag mit dem Bus eineinhalb Tage unterwegs. Da Tschechien (damals noch: Tschechoslowakei) kein Mitglied der EU war, musste er die Anfahrt auch aus eigener Tasche bezahlen. Das geheime Ziel der Comenius-Förderung bestand darin, dass sich über die Projekte auch Freundschaften zwischen den Schülern und Kollegien entwickeln sollten. Mit der Schule aus Liverpool hat das auch einige Jahre funktioniert; der SchülerInnenaustausch mit Prag feiert nun Jubiläum. Vor 10 Jahren fuhren Dorothea Klein und ich zum ersten Treffen nach Prag in das Gymnasium Litomericka. Dabei ist mir folgende Episode besonders haften geblieben. Jitka zeigte uns die Schule und beschrieb die Käfige, die sich im Eingangsbereich befanden. „Hier stellen die ankommenden SchülerInnen ihre Straßenschuhe ab und holen sich ihre Hausschuhe heraus. Um 8.00 werden die Türen abgeschlossen, so dass niemand an die Schuhe herein kann.“ So ganz leuchtete mir das System aber noch nicht ein und so fragte ich, wie denn die „Zu-spät-Kommer“ an ihre Schuhe kämen. Erst verstand man meine Frage nicht.. und dann mussten sie gestehen, dass sie dieses Problem nicht kannten. (Übrigens: auch an der österreichischen Schule mussten die Schüler die Schuhe vor dem Unterricht ausziehen - hat doch was mit Sauberkeit im Schulgebäude zu tun - wie der Kollege Peter aus Schwanenstadt (A) in einer damals 6. Klasse erzählte.) Heute besitzt jede SchülerIn und LehrerIn im Gymnazium Litomericka einen eigenen Schulschlüssel mit key-code, mit dem sie die Schultür öffnen können. Gegen die Einführung dieses Schlüsselsystems gab es übrigens von einer Lehrergruppe heftigen Widerstand. Die Kehrseite: Durch dieses System lässt sich jederzeit feststellen, wer pünktlich und unpünktlich das Schulgebäude betritt. Dies betrifft sowohl alle SchülerInnen als auch KollegInnen. Im November 2007 besuchte uns nun zum 7. Mal eine SchülerInnengruppe aus Prag. Die Kolleginnen waren bei uns Kollegen und die SchülerInnen bei den deutschen SchülerInnen untergebracht. Der Austausch erfolgt in einem gleichartigen Muster mit vielförmigen Ausgestaltungen. Dadurch, dass der Austausch stets im 9. Jahrgang stattfindet, finden die Prager jedes Jahr neue Teams, Projekte und Schwerpunkte vor. Die einzige Konstante auf Kölner Seite heißt Dorothea Klein, die von Anfang an bei der Vorbereitung und Durchführung des Projekts in Köln immer hilfreich zur Seite stand und alle Beteiligten von ihrem Erfahrungsschatz partizipieren ließ. Die bisherigen Schwerpunkte lagen sowohl im künstlerischen, architektonischen, historischen, als auch im naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen. Darüber hinaus gab es immer Exkursionen in kulturellen Institutionen wie auch Besuche in Freizeiteinrichtungen. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

     
   
     
    Der Besuch in diesem Jahr stand unter der Besonderheit, dass erstmals alle Kölner SchülerInnen aus ein- und demselben Team kamen. Dies hatte organisatorisch und inhaltlich große Vorteile: o Die beiden übrigen Teams waren von allen Veränderungen unberührt. Die war für die Planungen der Klassenarbeiten von erheblichen Vorteil. o Das Gastgeberteam konnte sich vollzählig an dem Austauschprojekt beteiligen. o Dadurch konnten wir an zwei Projekttagen alle SchülerInnen eines Teams an einem gemeinsamen Projekt mit sechs Unterthemen und ebenso vielen Gruppen organisieren. In jeder Gruppe waren übrigens tschechische Schülerinnen vertreten. Neu war der erstmalige Besuch der Kletterhalle in Kalk. Traditionell war schon der gemeinsame abendliche Besuch der KollegInnen in einem Restaurant, zu dem auch die KollegInnen hinzu kamen, die im letzten Jahr die Gastgeberrolle innehatten. Dies war ebenso Ausdruck der gewachsenen Beziehungen wie die Vielzahl von Geschenken, die Karin Beyer und ich von den Holweider Kolleginnen anlässlich unseres Gegenbesuches im April 08 bekamen, welche wir nun unseren Prager Gastgebern mitbringen sollten. Am Flughafen in Prag wurden wir nicht nur von unseren tschechischen KollegInnen und deren SchülerInnen erwartet. Freya Dietrich, ehemalige Kollegin und Lehrerin in unserem Team, war ebenfalls Mitglied im Begrüßungskomitee. Sie kam in ihrem wohlverdienten Ruhestand einer Einladung aus Prag nach, die dortigen Deutsch-Lehrerinnen ein bisschen zu unterstützen. Dabei war sie nicht nur als „Muttersprachlerin“ begehrt. So nebenbei vermittelte sie auch den jungen Kolleginnen profunde Tipps aus dem reichhaltigen Methodenrepertoire der „Holweider-Schule“ (Tischgruppentraining, Kooperatives Lernen, Sozialtraining u.s.w.). In den Prager SchülerInnenkreisen hatte sie sich bereits mit dem Ausspruch: „I`m the teacher and you have Sendepause!“ gebührenden Respekt eingehandelt. Wenn es auch nicht jedermann verstand, wusste doch jeder, was gemeint war. Nach der Begrüßung ging es direkt in die Schule, wo wir in einem Klassenraum mit Hilfe eines deutschsprachigen Videos einen ersten Eindruck von Prag gewinnen sollte. Der Raum selbst war mit Collagen aus „10 Jahre Schüleraustausch Köln - Prag“ geschmückt. Ich nahm das Bild von 2003 in Augenmaß und entdeckte sofort Jan Malte. Jan Malte unterrichte ich derzeit in einem Kurs in der Jgst. 13 und vor meinem Abflug nach Prag berichtete er mir, dass sein damaliger Gastgeber David ihn seitdem schon zweimal in Köln besucht habe und er ebenso oft zu Gegenbesuchen in Prag war. Dieses Erlebnis verdeutlichte mir noch einmal konkret den eigentlichen Sinn und Zweck des Schüleraustausches: Vorurteile werden nicht durch Schulbücher aufgehoben und Freundschaften entstehen nicht durch Appelle, sondern durch praktische gemeinsame Tätigkeit. So war es auch bei diesem Austausch.
     
   
     
    Neben der Vielzahl der „offiziellen Veranstaltungen“ blieb unseren SchülerInnen genügend Zeit, sich abends im „Teehaus“ oder anderswo privat zu treffen und „ohne Lehrer“ die Zeit gemeinsam sinnvoll zu nutzen. Uns Lehrern war dies nur recht, hatten wir doch so auch Zeit bei unseren regelmäßigen abendlichen Arbeitsessen die weitere Planung voran zu treiben. Ein Ergebnis dieser Planungen soll hier schon einmal vorgestellt werden. Die Vorstellung ihres Projektes durch eine gemischte SchülerInnengruppe mittels einer „power-point-Präsentation“ hat uns so tief beeindruckt, dass wir einhellig der Meinung waren, beim 8. SchülerInnenaustausch sollte ein gemeinsamer Film gedreht werden. Schauspielorte sind vorgegeben (Prag und Köln); das Drehbuch muss noch geschrieben werden. Ob dieser Film ein action-, love-, crime- oder Doku-film wird, bleibt ebenfalls den SchülerInnen überlassen. Interessierte KollegInnen des zukünftigen 9. Jahrganges können sich ja schon mal darauf einrichten. Michael MON
   
 
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  erstellt 25.7.2008, aktualisiert: 25.08.2008 (KRE)
     
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